Johann Ludwig Fricker IIIb

 

Johann Ludwig Fricker  –
seine in Büchern gesammelten Schriften

Ein bibliografischer Überblick von 1775 bis 1963
 

Teil IIIb = Teil 2



von
Herbert Henck

 

 

 

 

 

 

Die vierzehn Bücher

 

 

 

 

 

Nr. 1  /  (ohne Ort) 1775


 

Abb03_Titelblatt_1775

 

Titelblatt:  „Unvollständige | jedoch brauchbare | Ueberbleibsel | aus | den hinterlassenen Handschriften | eines Einsichts = und Erfahrungs = vollen Mannes | des seel. [seeligen: verstorbenen] Herrn Pfarrers | Johann Ludwig Frickers | treuen Lehrers | bey der Gemeine zu Dettingen unter Urach | wegen ihres Werths | gesammelt | und auf Begehren vieler Wahrheit = Liebenden | herausgegeben. | [Vignette] | Im Jahr 1775.“

Seitenumfang:  2 ungezählte Vorsatz-S. + [XVI] + 111 Seiten
Leerseiten:  S. [II] und S. (112)
Format:  ca. 178 × 110 mm (Höhe × Breite)
Bestand:  LB Stuttgart (2 Exemplare), Signatur: Theol. 8°. 5554;
                 Fotokopie in Privatbesitz


Bemerkungen:

a) Zum Teil genauer besprochen wird diese Ausgabe im Abschnitt Die Erstausgabe von 1775; hier auch Die Titelvignette der Erstausgabe mit Abbildungen. Eine Rezension ist in Anm. [6] (zweiter Absatz) nachgewiesen.

b) Als Herausgeber kommt Ludwig Christoph Hu(t)zelin (1725–1783) [27], Pfarrer in Steinenbronn, in Betracht, denn Ehmann schreibt zu diesem Punkt (S. 387, Anm. 13): „Ludwig Christoph Huzelin, geb. zu Besigheim, den 15. November 1725, magistrierte 1745, war Pfarrer in Erkenbrechtsweiler 1755–60, in Steinenbronn OA. [Oberamt] Stuttgart bis 1769, in Schnaitheim OA. Heidenheim bis 1783. Er war speciell mit Fricker befreundet und dieser wurde auf Huzelins Antrag nach dem Tode des Waisenpfarrers Seiz unter die Roos’schen Correspondenten aufgenommen [vgl. auch Anm. [27]]. Er ist wahrscheinlich der Verfasser der ältesten Lebensbeschreibung, welche bei Johann Ludwig Frickers Begräbnis vorgelesen wurde, sowie der Herausgeber der Bruchstücke aus Frickers schriftlichem Nachlaß.“ – Zum Druck in Tübingen bei Ludwig Friedrich Fues, der mit Huzelin verschwägert war, siehe das Kapitel Die Erstausgabe von 1775 (ab zweitem Absatz); ferner Anm. [7].

c) Vorbesitzer:  Auf der ersten der beiden unbedruckten Vorsatzseiten ist in dem besichtigten Stuttgarter Exemplar Nr. 1 (siehe „Bestand“) handschriftlich als Besitzervermerk eingetragen: „Fr. Finckh th. st.“ [vermutlich: Friedrich Finckh, theologiae studiosus (Theologiestudent)]. – Ein Pfarrer namens „Finckh“ beerdigte 1859 zwar Immanuel Gottlieb Kolb (vgl. Anm. [31]), doch kann neben der namentlichen Übereinstimmung und einer gewissen Wahrscheinlichkeit nichts Sicheres über diesen Zusammenhang mit dem Buch gesagt werden, und weitere Forschung ist vonnöten.

d) Mälzer, Nr. 835, S. 106 [28]

e) Alexander Freiherr von der Goltz weist in seinem Buch über Wizenmann (1859) bereits auf die schwere Zugänglichkeit des Druckes hin, indem er über die Ausgabe von 1775 schreibt: „Dieß Büchlein ist jetzt wohl sehr selten geworden, und wir haben es nicht gesehen.“ (S. 55, Anm. 2; wie unten).

 

 

 

Nr. 2  /  Reutlingen 1798 (verschollen)


Diese Ausgabe ist zwar verschollen, doch übersandte mir der heute in Ofterdingen wohnende Pietismus- und Rhetorikforscher Reinhard Breymayer (sicher vor 1977) unter anderem ein handschriftliches Blatt als Fotokopie, das er als Einlage in einem Exemplar von Frickers Unvollstaendigen, jedoch brauchbaren Ueberbleibseln (Nr. 1) gefunden hatte. [29]  Dieses Exemplar des Buchs stammte aus dem Besitz des Schulleiters Oberlehrers Karl Ebinger in Altenriet (Schulhaus). [30] Die drei handgeschriebenen Seiten (ein in der Mitte gefaltetes Blatt etwa im Quartformat ergab im Original vier zusammenhängende Seiten im Oktavformat; vierte Seite leer) sind überschrieben: „Druckfehler im Frickerischen Büchlein: | Weisheit im Staub etc. etc. | Reutlingen etc. 1798“. Der großen Einheitlichkeit von Anlage und Handschrift wegen dürfte es sich hier um eine Ab- oder Reinschrift gehandelt haben. Was die folgende Zusammenstellung von  Druckfehlern betrifft, so sind diese von p. 11 bis p. 129 gezählt [p. = pagina (Seite)], wobei auffällt, dass die 1775 veröffentlichte Ausgabe nur bis Seite 111 reicht. Somit müsste es sich bei der Ausgabe von 1798 um einen Neusatz des Textes gehandelt haben. Am Ende des Korrekturverzeichnisses ist, zwischen zwei horizontalen Linien, zu lesen: „Da diese 2te Ausgabe nach der 1sten gedruckt und corrigirt ist, so sind noch einige Druckfehler stehen geblieben, diejenig[e]n nemlich, die auch in der ersten [Ausgabe von 1775] befindlich sind.“

Das Verzeichnis der Druckfehler lässt sich andererseits auch nicht mit dem nachfolgenden, 1820 bei Kalbfell in Reutlingen erschienenen Büchlein Weisheit im Staub (Nr. 3) in Verbindung bringen, da in dem Druckfehler-Verzeichnis zur Ausgabe 1798 beispielsweise angegeben ist „p. 128. 17.) lin[ea] 2: So entfärbt sichs bald“, was in der Ausgabe von 1820 auf Seite 136 steht und hier leicht abweichend lautet: „So entfärbt sich [sic] bald“ (Vers 17). Oder der sich anschließende Eintrag dieses Verzeichnisses der Druckfehler bezieht sich auf S. 129, Strophe 19, Zeile 1: „O wenn Gott schon hier“; diese Zeile steht in der Ausgabe Reutlingen 1820 jedoch zu Beginn der Seite 137. Damit darf man annehmen, dass die Auflage von 1798 weder das Druckbild der Erstausgabe von 1775 übernahm, noch dass das Druckbild der Auflage von 1798 für die Auflage von 1820 als Vorlage diente. Im Falle der drei ersten Ausgaben müsste daher stets ein Neusatz des Textes stattgefunden haben.

Ist die Ausgabe Reutlingen 1798 bisher auch nicht auffindbar oder zumindest bibliografisch belegbar, so besteht durch das vorhandene Druckfehler-Verzeichnis doch kein Zweifel daran, dass sie tatsächlich hergestellt wurde und dass Reinhard Breymayer das Verdienst zukommt, sie in die Forschung eingebracht zu haben. Selbst Ehmann war diese Ausgabe von 1798 offenbar nicht bekannt geworden, da er in seinem Fricker-Buch von 1864 (Nr. 8) schrieb, dass von der Erstausgabe 1775 „i[m] J[ahre] 1820 der erste Nachdruck in Reutlingen erschien“ (S. IV, Vorrede), während es sich hier eigentlich um den zweiten Nachdruck gehandelt haben müsste.

 

 

 

Nr. 3  /  Reutlingen 1820


 

Abb04_Titelblatt_1820

 

Titelblatt:   „Weisheit im Staub, | das ist: | Anweisung, | wie man in den | allergeringsten und gemeinsten Umständen | auf die einfältiglich | leitende Stimme Gottes bey sich achten solle. | Als ein | Versuch einer evangelischen Moral | von lebenden Exempeln gesammelt, | und | zu bleibenderem Eindruck ins Kurze gefaßt, | von | Johann Ludwig Fricker, | treuen Lehrers | bei der Gemeine zu Dettingen unter Urach. | Auf Kosten einer Wahrheit=liebenden Gesellschaft gedruckt. | Reutlingen, | bey Christoph Jakob Friedrich Kalbfell. | 1820.“

Seitenumfang: 144 gezählte Seiten
Format: ca. 172 × 102 mm (Höhe × Breite)
Bestand: 
1.) Original in Privatbesitz
2.) Zentralbibliothek Zürich, Signatur: AWG 11198
Provenienz von 2.): Walter Robert Corti [30a]


Bemerkungen:

a) Zwei dem Druck anliegende maschinenschriftliche Ergänzungen eines Antiquariats besagen: „Hrsg. [Herausgegeben] wurde diese Sammlung (erstmals 1775 unter anderem Titel erschienen) von der sogenannten Druckgesellschaft der Michelianer, an deren Spitze der Schulmeister Kolb in Dagersheim stand.“ [31]

b) „bey“/„bei“:  beide Schreibweisen kommen auf dem Titelblatt vor (vgl. Zeile 7, 16 und 19).

c)  Diese Ausgabe von 1820 wurde in folgenden 2 Quellen zitiert:

    1.) Eduard Emil Koch, Geschichte des Kirchenlieds und Kirchengesangs der christlichen, insbesondere der deutschen evangelischen Kirche, Erster Haupttheil: Die Dichter und Sänger, Zweiter Band, Zweite, verbesserte und durchaus vermehrte Auflage, Stuttgart: Druck und Verlag der Chr[istian Jakob] Belser’schen Buchhandlung, 1852; hier im Artikel Fricker, Johann Ludwig (S. 256–260) zunächst im zweiten Absatz von S. 260, ferner nochmals unter den Quellen des Buchs.

    2.) Alexander Freiherr von der Goltz, Thomas Wizenmann, der Freund Friedrich Heinrich Jakobi’s in Mittheilungen aus seinem Briefwechsel und handschriftlichen Nachlasse, wie nach Zeugnissen von Zeitgenossen. Ein Beitrag zur Geschichte des innern Glaubenskampfes christlicher Gemüther in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, I. Band, Gotha: Friedrich Andreas Perthes, 1859, S. 55, Anm. 2.

Ehmann stand, wie er in der Vorrede seines Buchs (1864) auf S. V vermerkt, mit Freiherr „Alex[ander] von der Golz, K[öniglich] Preuß[ischem] Obristlieutenant a[ußer] D[ienst] in Coblenz“ in Verbindung, der ihm einige Briefe an Matthias Jorissen (1739–1823) zugänglich machte. Hier müsste es sich um Alexander von der Goltz (1800–1870) gehandelt haben; vgl. hier; Artikel in der Allgemeinen deutschen Biographie 9 (1879), S. 350–351 von Carl Krafft hier.

d)  Vgl. im Haupttext auch Ehmanns Äußerung zur Ausgabe Reutlingen 1820.

 

 

 

Nr. 4  /  Stuttgart 1830


 

Abb05_Titelblatt_1830

 

Titelblatt: „Weisheit im Staube | das ist: | Anweisung, | wie man in den | allergeringsten und gemeinsten Umständen | auf die einfältiglich | leitende Stimme Gottes bei sich achten solle. | Als ein | Versuch einer evangelischen Moral | von lebenden Exempeln gesammelt, | und | zu bleibenderem Eindruck ins Kurze gefaßt | von | Johann Ludwig Fricker, | treuem Lehrer | bei der Gemeine zu Dettingen unter Urach. | Auf Kosten einer Wahrheit liebenden Gesellschaft gedruckt. | Stuttgart, | in Commission bei | Carl Becker, Buchbinder. | 1830.“

Seitenumfang: 127 gezählte Seiten, S. (128) ungezählt
Datierung: „Stuttgart, im December 1830. | Carl Becker, Buchbindermeister, | lange Straße Nro. 326.“, Unterzeichnung einer „Subscriptions-Anzeige“ (mit zwei Titeln von Oetinger) auf S. (128) des Buchs
Format: ca. 170
× 100 mm (Höhe × Breite)
Bestand: LB Stuttgart, Signatur: Theol. oct. 5555
Fotokopie und Original in Privatbesitz


Bemerkungen:

a) Auf S. (2) am unteren Rand der Hinweis: „Böblingen, | gedruckt mit [Julius] Gottl[ieb] Friedrich Landbeck’schen Schriften.“ [32]

b) Mälzer (wie Anm. [28]), Nr. 836, S. 106–107

c) Zu einem erworbenen Exemplar, das mit „Gehörig [Christian] Friedrich | Daubenschmid | und | Rebecka Zupin, | Fellbach 1847.“ bezeichnet ist, siehe auch Anm. [32a].

 

 

 

Nr. 5  /  Reutlingen 1854 (1. Auflage)


 

Abb06_Titelblatt_1854

 

Titelblatt:  „Weisheit im Staube, | das ist: | Anweisung, | wie man in den | allergeringsten und gemeinsten Umständen | auf die einfältiglich | leitende Stimme GOttes bei sich achten soll. | Als ein | Versuch einer evangelischen Moral | von | lebenden Exempeln gesammelt, und zu bleibende= | rem Eindruck ins Kurze gefaßt | von | Johann Ludwig Fricker, | treuem Lehrer bei der Gemeine zu Dettingen unter Urach. [33] | Reutlingen, | Druck und Verlag der B. G. Kurtz’schen Buchhandlung. | 1854.“

Seitenumfang: [II] ungezählte + 198 gezählte Seiten. Die beiden ungezählten Anfangsseiten [I] und [II] sind ein Schmutztitelblatt mit unbedruckter Rückseite.
Der Kurztitel lautet hier: „Johann Ludwig Fricker’s | nachgelassene | geistliche Schrift-Stücke.“
Format: ca. 120
× 90 mm (Höhe × Breite)
Druck und Verlag: B. G. Kurtz’sche Buchhandlung, Reutlingen
(Infolge einer 2. und 3. Auflage, die beide 1855 erschienen, wäre die Ausgabe
von 1854 als „1. Auflage“ in dieser Reutlinger Reihe zu bezeichnen)
Bestand: LB Stuttgart, Signatur: Theol. oct. 5596; British Library (General Reference Collection), Signatur: 4409.b.16; Fotokopie in Privatbesitz


Bemerkungen:

a) Diese Ausgabe Frickers von 1854 wurde in folgenden Quellen zitiert:

    1.) Alexander Freiherr von der Goltz, I. Band, 1859 (wie oben)

    2.) Paul Pressel (Auswahl und Einleitung), Die geistliche Dichtung von Luther bis Klopstock, hg. von Dr. [Karl Friedrich] Klaiber, Reihe: Evangelische Volksbibliothek, Bd. 5, Stuttgart: Adolph Becher’s Verlag (Gustav Hoffmann), 1863; hier der Abschnitt über Fricker auf S. 717–721 mit einer biografischen Einleitung wie dem Abdruck der beiden Dichtungen J. L. Frickers Die selige Freiheit vollkommener Seelen (S. 718) und Vereinigung der Wahrheit und Liebe (S. 718–721); der Hinweis auf die Ausgabe Reutlingen: Kurtz, 1854 befindet sich auf den Seiten 717–718. – Karl Friedrich Klaiber (1817–1893) war Garnisonsprediger in Ludwigsburg (Online-Ausgabe des Buchs). Zu Paul Pressel (1824–1898) vgl. hier (siehe auch Register der Ausg. 1863, S. XII, rechte Spalte unter S. „717“).

    3.) Friedrich Zöllner, Die transzendentale Physik und die sogenannte Philosophie (= ders., Wissenschaftliche Abhandlungen, III. Band), Leipzig: Kommissionsverlag von [Johannes August] L[udwig] Staackmann, 1879, S. 584, Fußnote 1 (hier muss es richtig heißen: „KURTZ’schen“ anstatt „KUNZ’schen“); vgl. auch hier.

    4.) Albert Ritschl, Geschichte des Pietismus, Bd. 3, Zweite Abtheilung: Geschichte des Pietismus in der lutherischen Kirche des 17. und 18. Jahrhunderts, Bonn: Adolph Marcus, 1886, S. 149, Fußnote 2.

    5.) „,Weisheit im Staube.‘ Neu aufgel[egt:] Reutlingen 1854.“ Siehe den [Verstorbenen-Kalender unter 10.1766.:] Johann Ludwig F r i c k e r, in: Blätter für württembergische Kirchengeschichte, 1890, S. 68 (17 Z.); hier auf der rechten Hälfte zitiert nach Eduard Emil Koch, Geschichte des Kirchenlieds und Kirchengesangs der christlichen, insbesondere der deutschen evangelischen Kirche, Erster Haupttheil. Die Dichter und Sänger. Fünfter Band. Stuttgart. Druck u[nd] Verlag der Chr[istian Jakob] B e l s e r ' schen Verlagshandlung. 1868. S. 150–151. Die Auflage des hier interessierenden Bandes wurde jedoch nicht schon in E. E. Kochs Buch angezeigt, sondern nur in den Blättern für württembergische Kirchengeschichte von 1890.

    6./7.) Die 1. Auflage steht sowohl in dem ersten als auch in dem zweiten Absatz der folgenden Nr. 6.

b) Mälzer (wie Anm. [28]), Nr. 837, S. 107

 

 

 

Nr. 6  /  Reutlingen 1855 (2. Auflage, verschollen)


Diese verschollene 2. Auflage von 1855 ist belegbar durch vier Bücher-Kataloge aus der Zeit von 1855 bis 1864. Sie findet sich, wie auch die 1. Auflage, nicht chronologisch, in den folgenden Sammelwerken: Wilhelm Heinsius, Allgemeines Bücher=Lexikon, oder vollständiges Alphabetisches Verzeichniß aller von 1700 bis zu Ende 1856 erschienenen Bücher, 12. Bd. (1852 bis 1856), 1. Abtheilung (A–L), Leipzig: F. A. Brockhaus, 1858, S. 302, linke Spalte, Mitte, wo es heißt: „Fricker, Joh[ann] Ludw[ig], Weisheit im Staube […] ins Kurze gefaßt. 1. Aufl. (198 S.) 1854. und 2. Aufl. 32. (292 S.) Reutlingen [1]855 Kurtz’sche Buchh[andlung]“.

Ferner sind sowohl die 1. als auch die 2. Auflage, die beide in Reutlingen bei Kurtz erschienen, verzeichnet bei Gustav Wilhelm Wuttig (Bearb. u. Hg.), NOVUS INDEX LOCUPLETISSIMUS LIBRORUM QUI INDE AB ANNO MDCCCLIII USQUE AD ANNUM MDCCCLVIII IN GERMANIA ET IN TERRIS CONFINIBUS PRODIERUNT, 7. Theil, A–K, Leipzig: T. O. Weigel, 1860; hier S. 301, rechte Spalte.

Dieselbe 2. Auflage (Reutlingen 1855) wurde auch in folgenden Bücherkatalog aufgenommen: Ernst Amandus Zuchold, BIBLIOTHECA THEOLOGICA. Verzeichniß der auf dem Gebiete der evangelischen Theologie nebst den für dieselbe wichtigen während der Jahre 1830–1862 in Deutschland erschienenen Schriften, 1. Bd., A–K, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht’s Verlag, 1864; hier S. 382: „Fricker, Johann Ludwig, Weisheit im Staube […] ins Kurze gefaßt. 2. Auflage. Reutlingen, Kurtz. 1855. 32. (292 S.) 6 sgr. [sgr. = Silbergroschen] In Engl[ischem] Einband [Buchbinderleinwand] mit Goldschnitt : 12 sgr.“

Eine weitere 2. Auflage von 1855 wurde auch von dem amerikanischen Nachschlagewerk für Buchhändler benannt, das 1855 in New York erschien: F. W. Christern, Foreign Booksellers. Importer of German, French, Danish, Swedish and other works, agent for the principal publishing houses of the European continent, Catalogue of Books, Periodicals, Maps, Atlasses etc., published in Germany, from January 1st to June 30st, 1855, New-York, 763 Broadway. Auf S. (III) des Buchs begann anfangs eine „Wissenschaftliche Übersicht“, in der es unter „II. 2.“, rechts in der Kolumne, unter Erbauungsschriften. Predigten hieß: Fricker, Weisheit im Staube. Dieser kurze Eintrag verwies offenbar auf den vollständig reproduzierten Text auf S. 78: „Fricker, Joh. Ludw., Weisheit im Staube, […], 2. Aufl. [Format:] 32. (292 S.) Reutlingen, Kurtz, […] in engl[ischem] Einb[and], m[it] Goldsch[nitt]“; es folgte dann noch eine Umrechnung verschiedener Preise. Besitzende Bibliothek des Originals war die University of Michigan.

Die Bände sind zum Teil online verfügbar.

Man sieht an dieser Ausgabe, dass es sehr wohl möglich ist, sich eine verschollene Auflage anhand bibliografischer Daten vorzustellen, wobei der Text eines Autors, in diesem Fall Frickers, vorerst oft zurückstehen muss, will man fündig werden. Dies wird wohl sicherlich nicht zum ersten Mal betont, doch wird es vielleicht erstmals aufgrund dieser Ausgabe der Frickerschen Weisheit im Staube behauptet – will man nicht davon ausgehen, dass die Verfasser der Kataloge nur voneinander abschrieben und sie die Bücher Frickers selbst nie zu sehen bekamen. Die Übereinstimmung paralleler Bücher hinsichtlich Formats, Umfangs, Goldschnitts, Einband-Materials – in Schmuck und Buchtechnischem – stellt doch ein gewisses Merkmal des Verschollenen dar und ist nicht ganz unabhängig von diesem; so dass eine Buchsuche durchaus auch von solch nüchternen und scheinbar inhaltsleeren Hinweisen beflügelt werden kann.

 

 

Nr. 7a und Nr. 7b  /  Reutlingen 1855 (3. Auflage)


Da ich erst einige Monate nach Fertigstellung vorliegender Bibliografie ein zweites Exemplar der „Dritten Auflage“ (Reutlingen: Kurtz, 1855) auffinden, doch auch nur teilweise heranziehen konnte, benannte ich die Darstellung der zwei Bücher mit „Nr. 7a (Speyer)“ und „Nr. 7b (Bietigheim- Bissingen“), um sie knapp zu kennzeichnen und ihre heutigen Standorte grob zu unterscheiden. Ans Ende dieses Abschnitts fügte ich jedoch den Anhang Zu Nr. 7b. Ein Nachtrag („Variante“), aus dem meine aktuelle Sicht der Dinge und das vorläufige Ergebnis meiner Bemühungen in der zweiten Dezember-Hälfte 2015 hier hervorgeht.

Diese Nachträge ließen sich in der Planung des Ganzen nicht vorhersehen und ergaben sich jeweils aus dem Gefundenen und neuen Überlegungen. Somit bitte ich um Entschuldigung, dass der Text nicht durchgehend wie das Frühere gestaltet ist, sondern ein Springen zwischen den Ausgaben Nr. 7a und Nr. 7b erfordert und zum Teil sogar etwas konfus wirken muss. Die hier beschriebenen Drucke sind jedoch extrem selten und waren fast nur zufällig auffindbar.

 

Nr. 7a                                                         

Fricker_Titelseite_3. Aufl., 1855

 

Titelblatt:  „Weisheit im Staube, | das ist: | Anweisung, | wie man in den | allergeringsten und gemeinsten Umständen | auf die einfältiglich leitende Stimme | GOttes bei sich achten soll. | Als ein | Versuch einer evangelischen Moral | von | lebenden Exempeln gesammelt, und zu blei= | benderem Eindruck ins Kurze gefaßt | von [33a] | Johann Ludwig Fricker, | treuem Lehrer bei der Gemeine zu Dettingen | unter Urach. | Dritte Auflage. || Reutlingen. | Verlag der B. G. Kurtz’schen Buchhandlung. | 1855.“

Seitenumfang: 292 S. + [2] ungezählte Inserat-Seiten
Format: Länge des Buchrückens: 103 mm, Breite des Buchs: 75 mm, Dicke des Buchs: 13 mm (am Vorderschnitt gemessen) bzw. 18 mm (am Buchrücken gemessen);
32° (Miniatur, 21 Zeilen)
Einband: Englischer Einband (Buchbinder-Leinwand), Goldschnitt an allen drei Schnittkanten des Papiers. Bedrucktes und auf gelbem Grund gegittertes Papier, geleimt auf den inneren Anfangs- und Endseiten der Einbanddeckel
Druck und Verlag: Verlag der B. G. Kurtz’schen Buchhandlung. Die bei Constantin Große (1868–1929) angegebenen Verlage „Kurtz, jetzt Fleischhauer & Spohn“ sind hier nicht zu finden, oder es gibt noch ein weitere Ausgabe. – Ein blauer Stempel, spiegelbildlich hinter den Wörtern „Dritte Auflage.“ steht auf der Rückseite [S. II] der Titelseite [S. I] und lautet: „Ev. Kirche d. Pfalz | Speyer“
Druckfehler in Nr. 7a?: Komma-Ähnliches oder Papier-Einschluß (Fehler) im Druck des Titelblattes auf Zeile 13
Bestand:  Bibliothek und Medienzentrale der Evangelischen Kirche Pfalz und Landeskirchenrat in Speyer; Signatur: Eb 7169
Provenienz:  Wer „Maria Braunger“ war, deren Name und Datierung sich handschriftlich am Anfang der Titelseite befinden, vermag ich nicht zu sagen. – Weitere handschriftliche Angaben sind auf der fliegenden Rückseite des vorderen gelben Vorsatzpapieres zu finden.
Frontispiz: Anders als bei allen übrigen besichtigten Ausgaben (12 von 14) ist der Einbezug eines Frontispiz-Blattes mit dem zugehörigen dünnen und unbedruckten Trennpapier. Beschriftet ist das Bild unterhalb der unsignierten Darstellung: Jesus mit erhobenen Armen im Kreis seiner Jünger, im Hintergrund eine Mauer mit einem zentral über Jesus hängenden Bild eines Baumes. Die Unterschrift lautet hier: „MISSION DES APÔTRES“ [falsch ausgerichteter „Accent circonflexe“].
Bemerkung: Nicht bei Mälzer, S. 107: fehlt zwischen Nr. 837 und 838.

Die eigentlichen Hintergründe für die genannten Auflagen sind mir verborgen geblieben, und die Situation ist ein mühsames Spekulieren, das unter Umständen durch die Auffindbarkeit der zweiten Auflage von 1855 zu korrigieren ist – freilich kann man das bei jedem nicht auffindbaren Druck einer zweiten und dritten Auflage sagen. Ansatzweise habe ich zwar versucht, eine Lösung zu finden, ohne aber letzten Endes zu einer widerspruchsfreien Erklärung zu gelangen, die nur durch die zweite Auflage selbst oder andere Quellen bestätigt werden kann. Die jetzigen Erklärungen sind aber nicht mehr als Vermutungen, wie es gewesen sein könnte; es könnte richtig, aber auch falsch sein. Ein Auszug findet sich in den nächsten Absätzen Zunächst meist ermittelt und Später ermittelt.

 


Zunächst meist ermittelt:

Eine „3. Aufl. Reutlingen, Kurtz, jetzt Fleischhauer & Spohn“ von 1855 war ebenso wie die vorangehende 2. Auflage aus demselben Jahr verschollen, doch ist sie bibliografisch belegbar durch folgendes Buch: Constantin Große (Hg.), Die Alten Tröster. Ein Wegweiser in die Erbauungslitteratur der evang.-luth. Kirche des 16. bis 18. Jahrhunderts, In Kommission bei der Missionshandlung Hermannsburg (Hann.) 1900. Hier heißt in Abschnitt 33 [recte: 35] („Johann Ludwig Fricker“, S. 502–504) auf S. 503 der folgende Eintrag: „Weisheit im Staube, d[as] i[st]: Anweisung, wie man in den allergeringsten und gemeinsten Umständen auf die einfältiglich leitende Stimme Gottes bei sich achten soll. Als ein Versuch einer evangelischen Moral von lebenden Exempeln gesammelt, und zu bleibenderem Eindruck ins Kurze gefaßt von Johann Ludwig Fricker, treuem Lehrer bei der Gemeine zu Dettingen unter Urach. 3. Aufl[age] Reutlingen, Kurtz, jetzt Fleischhauer & Spohn, 1855. 292 S[eiten] (Miniatur), 21 Z[ei]l[en], fein geb[un]d[en] mit Goldschnitt 1,20 M[ar]k.“

Constantin Große teilt auf S. 503–504 als weitere Einzelheiten des Bändchens mit: Vorrede (S. III–XI), [vier] Gebete S. 12–31; S. 31 ff.: Von der Erkenntnis Gottes und Christi […]; S. 265: Lieder über die Epistel St. Jakobi; S. 280: über die Vereinigung der Wahrheit und Liebe. [Die römische Zählung wird nach XI von einer arabischen mit 12 fortgesetzt.]

Die Zählung dieser drei innerhalb von zwei Jahren erschienenen Reutlinger Auflagen scheint bei der ersten Ausgabe Reutlingen 1854 zu beginnen (erste Auflagen sind grundsätzlich noch nicht gezählt, da man meistens nicht vorhersehen kann, ob eine zweite Auflage erfolgen wird), um sich mit der Auflage Reutlingen 1855 als 2. sowie ebenfalls Reutlingen 1855 als 3. Auflage fortzusetzen. Eine vierte Auflage ließ sich nicht mehr feststellen. Da die eine Auflage von 1855 verschollen ist, ließ sich auch nicht abschließend klären, inwiefern die 2. und 3. Auflage identisch sind. Sichtbar ist jedoch an der Beschreibung der 3. Auflage, dass sie mit der 2. Auflage in Format (32 = Miniatur) und Seitenumfang (292 Seiten) übereinstimmte. Vermutlich wechselte nur der Verlagsnamen, vgl. Nr. 6[34] Vgl. aber auch hier. – Bei Große seien zwei Fehler auf S. 503 berichtigt: Frickers Buch erschien erstmals 1775 (nicht 1755); Steinenbronn (nicht Steinbronn). Online-Teilausgabe bei Google Books; zitiert ist hier mit Abbildung der kleinen schwarzen Scheibe (siehe im Folgenden).

Auffällt in diesem Zusammenhang, dass sich im Druck an dem Wort „jetzt“ (unmittelbar vor „Fleischhauer & Spohn“) rechts am letzten Buchstaben „t“ ein kleiner schwarz ausgefüllter Kreis befindet, dort, wo ansonsten auch Verweise auf Fußnoten stehen. Es könnte sich daher um die nachträgliche Tilgung einer Anmerkung handeln, die etwa hätte lauten können: „Bisher nicht erschienen“, „Erscheint demnächst“ oder „In Vorbereitung“. – Freilich ist auf S. 504 (also der Rückseite von S. 503), jeweils zwischen der 11. und 12. Zeile von unten, ein schwarzer Fleck in ähnlicher Größe zu sehen, so dass hier wohl die Druckerschwärze durch das Papier gedrungen ist und dass es sich möglicherweise nur um einen exemplarbedingten Fehler im Papier handelt.

Auf S. 504 warnt C. Große den Leser zusammenfassend: „Das Buch [Johann Ludwig Frickers] ist, wie schon der Überblick ergiebt, nur mit Vorsicht zur Erbauung zu gebrauchen. Geübte Sinne müssen das Wahre vom Falschen scheiden.“

Am 25. Mai 2009 E-Mail schrieb ich an den damals noch bestehenden Verlag „Fleischhauer & Spohn“. Meine Anfrage wurde am 26. Mai negativ beantwortet, da kein Exemplar des Druckes mehr vorhanden sei. Es gebe aber eine Archivliste, in welcher der Titel „Weisheit im Staube“ in Erscheinung trete (siehe zur Archivliste Anm. [34a]).

Eine  Suche nach der bei  C. Große zitierten 3. Auflage von  1855 führte auch nicht weiter, denn am 6. August 2009 (E-Mail) erfuhr ich Folgendes von der Pfarrgemeinde Wilsdruff (Sora): „wir haben in unserem gesamten Kirchspiel nach dem Buch gesucht, aber nichts gefunden. Unser Vorschlag ist, dass Sie die Anfrage an das Pfarramt in Röhrsdorf, Kirchberg 5, 01665 Röhrsdorf richten. Sora gehörte teilweise nach Röhrsdorf. Oder Sie versuchen Ihr Glück noch in der Bibliothek des Landeskirchenamtes Dresden, Lukasstraße 6, 01069 Dresden.“ Freundliche Auskunft von der Verwaltungs-Angestellten I. Hentschel.

Ebenso negativ verlief auch eine Anfrage an die Bibliothek des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamtes in Dresden (Frau Susanne Liedke, E-Mail am 10. August 2009). Aus Röhrsdorf erhielt ich auf meine Anfrage hin am 11. August 2009 einen Anruf (des Küsters?): Man habe in der Bibliothek nachgesehen, doch nichts gefunden. Bestände aus Sora aus dem 19. Jahrhundert müssten freilich in Röhrsdorf sein, da es erst 1925 zu Wilsdruff kam. Man habe jedoch noch unkatalogisierte Bücher, zumeist aus dem 18. Jahrhundert, auf dem Dachboden gefunden, Bücher, die teilweise schon von Schimmel befallen seien. Ich solle später, wenn diese Bücher gesichtet seien, Nachricht erhalten. Bücher aus dem Besitz von Pfarrer Constantin Große seien in den Besitz der Erben gekommen, über die man aber nichts wisse.

Am 12. August 2009 erfuhr ich noch aus Dresden: „die organisch erwachsenen Bestände des Landeskirchenarchivs der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens sind beim Bombenangriff auf Dresden im Februar 1945 größtenteils vernichtet worden. Für Ihre Anfrage relevante Unterlagen zu Johann Ludwig Fricker sind in unseren Beständen leider nicht nachweisbar. Über den Verbleib des Nachlasses von Constantin Große ist uns nichts bekannt. [Absatz] Der Publikation ,Sächsisches Pfarrerbuch, Die Parochien und Pfarrer der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (1539-1939), bearbeitet von Reinhold Grünberg, Freiberg 1939/1940, S. 269‘ sind folgende Angaben zu Pfarrer Constantin Wilhelm  Große  zu  entnehmen: ,geb. 1868  in Stolpen (Pirna), Vater: Pfarrer, Gymnasium Dresden-Neustadt (1879-1887), 1894 Pfarrer in Sora (Meißen), 1925 Pfarrer in Chemnitz Markus, gest. 1929.‘ Im ,Amtskalender für die Geistlichen der Sächsischen ev.-luth. Landeskirche auf das Jahr 1931, S. 134‘ sind weitere biographische Angaben zu Pfarrer Große zu finden.“ (Für Auskünfte ist Frau Diplomarchivarin Kristin Schubert, Evangelisch-Lutherisches Landeskirchenamt Sachsen [Leitung], Landeskirchenarchiv, Dresden, vielmals zu danken.)

*

Später ermittelt:

Mitte August 2015 erhielt ich über den „VThK“ (Virtueller Katalog Theologie und Kirche) jedoch die Information, dass die gesuchte Dritte Auflage (Reutlingen 1855) in der Bibliothek und Medienzentrale der Evangelischen Kirche Pfalz und Landeskirchenrat in Speyer vorhanden sei. Ich bestellte diese Ausgabe sogleich und erhielt sie wenig später über meine lokale Fernleihe (gedankt sei vielmals Frau Sonja Middendorf, Fernleihe Zeven, sowie Frau Diplombibliothekarin Karin Feldner-Westphal, Speyer), wodurch ich Zugang zu verschiedenen Scans dieser Ausgabe erhielt. Von Letzterer stammen auch die Angaben über Format und Einband des Buchs. Später mitgeteilte Einzelheiten sind daher im Allgemeinen dieser seltenen Dritten Auflage entnommen.

Lässt man die auf dem Titelblatt nicht vorhandene Angabe „Fleischhauer & Spohn“ einmal beiseite, so hat man den Eindruck, dass die zweite und dritte Auflage einander genau entsprachen, dass Inhalt und Format, Seitenzählung und Einband einander glichen und sie offenbar von demselben Verlag hergestellt wurden. Wie es konkret zur Weglassung des Verlags „Fleischhauer & Spohn“ gekommen sein mag, ist mir unbekannt geblieben, doch gibt es die Möglichkeit, dass ein zunächst ins Auge gefasster Verlag die Nachfolge des jetzt mitgeteilten antreten sollte, diese Übernahme aber letztlich nicht zustande kam. Ein bereits gedrucktes Titelblatt könnte indes ersetzt worden sein, wodurch der Verlagsname „Fleischhauer & Spohn“ nicht mehr in Erscheinung treten konnte, der vordem benutzte (B. G. Kurtz) jedoch bestehen blieb. In dem Buch von Albert Erlecke Die Besitz- und Firmenveränderungen im deutschen Verlags-, Buch-, Kunst-, Musikalien- und Landkartenhandel 1750–1885, Auf Grund der Register zum Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, sowie von Schulzۥ Adressbuch etc. bearbeitet, Leipzig: Siegismund & Volkening, 1886, S. 66, heißt es: „Kurtz, B. G. in Reutlingen. Der ältere Verlag an Ensslin & Laiblins Verl. in Reutlingen. Seit 1871 vereinigt mit der Firma: Fleischhauer & Spohn in Reutlingen.“ – Somit wäre es nicht unwahrscheinlich, dass ein Zusammenschluss der beiden Verlage schon länger im Gespräch war, jedoch erst 1871 tatsächlich stattfand. Das einst geplante Buch konnte indes nicht mehr erscheinen, da mittlerweile Ehmann den hier als Nr. 8 in Tübingen folgenden Fricker-Druck verfasste und 1864 bei Osiander veröffentlichte.

Zu den letzten Überlegungen sei mir eine Nachbemerkung gestattet. Da hier (unüblicher Weise) zwei aufeinanderfolgende Auflagen beide im Jahre 1855 entstanden, erhält man den Eindruck, dass einer der beiden Verlage mit einem Umstand seines Vertrages nicht zufrieden war und dass erneut verhandelt wurde. Da es aber immerhin schon der 6. und 7. Druck in der Gesamtreihe waren und unter anderem auch die Seitenzahlen dieser beiden Auflagen genau übereinstimmten, wird nahegelegt, dass vielleicht die Dritte, eben des doppelten Verlags wegen, die Zweite Auflage ersetzt haben mag. Die Zweite Auflage würde, will man diesen Grund unterstellen, die  b e i d e n  Verlage voraussetzen, um deretwillen es vielleicht zu einer Neuauflage kam. Der endgültige Nachweis lässt sich freilich erst durch die der jetzigen Dritten Auflage vorangehende Auflage erbringen. Dass diese Zweite Auflage indes eine sehr geringe Verbreitung besaß, zeigt sich auch heute noch durch ihre schwere Auffindbarkeit. Der Wechsel von der Zweiten zur Dritten Auflage könnte daher – neben der Fortsetzung der Zählung der Auflagen – allein durch die Nennung eines  z w e i t e n  Verlags bedingt sein. – Dieser Fall scheint sich nicht allzu oft in der Geschichte von Auflagen wiederholt zu haben, und mir ist lediglich ein einziger weiterer Fall bekannt, der sich, mutatis mutandis, 1923 zutrug, aber ebenso zwischen einer zweiten und dritten Auflage sich abspielte, wobei die zweite Auflage heute gleichermaßen verschollen ist (hier).

 

 

Nr. 7b

Zu Nr. 7b. Ein Nachtrag (Variante)

Diesen Nachtrag verfasste ich in der zweiten November-Hälfte 2015, nachdem ich erneut versucht hatte, Klarheit über die beiden Auflagen „Reutlingen 1855“ zu gewinnen. Solches gelang zwar auch jetzt nicht endgültig, doch im Verlauf dieser Bestrebungen wurde ich auf eine Variante (Nr.7b) der hier reproduzierten Auflage Nr. 7a aufmerksam, die ebenso als „Dritte Auflage“ bei „B. G. Kurtz“ in „Reutlingen 1855“ erschienen war. Ich musste aber bald erkennen, dass der Verlag „Fleischhauer & Spohn“, bei dem der Druck einst herausgekommen sein sollte, heute von der Buchgroßhandelsfirma G[ustav] Umbreit GmbH und Co. KG in 74321 Bietigheim-Bissingen (Mundelsheimer Str. 3) übernommen worden war, und Frau Gabriele Beintner, die ich zuvor noch unter „Fleischhauer & Spohn“ angeschrieben hatte, hatte meinen Brief freundlicherweise weitergeleitet.

Waren zuvor nur Einzelheiten jener Archivliste [34a] im Mittelpunkt meines Interesses gestanden, die einst von Aushilfskräften erstellt worden war und die mir im Mai 2009, als ich erstmals den Verlag bemühte, nicht zugänglich wurde, so erfuhr ich nun, dass diese Liste eine Bestandsliste des „Archiv-Tresors“ sei. Nach mehreren E-Mail-Wechseln erhielt ich jetzt in entgegenkommenster Weise zwei Scans des gesuchten Buchs: den vorderen Einband und die Titelseite durch Herrn Dieter Keilbach. Sehen konnte ich sofort, dass der Verlagsname „Fleischhauer & Spohn“ auch hier nicht angegeben war, und dass die Titelseite eine auffällige Übereinstimmung mit jener Titelseite Nr. 7a aufwies. Darüber hinaus erkannte ich noch andere Ähnlichkeiten, sowohl des Einbands wie der letzten Buchseiten und deutliche Unterschiede im Vorsatzpapier oder dem Frontispiz, so dass man nach eingehenderem Vergleich nicht von demselben Buch sprechen konnte und es sich nicht einfach um eine Verdopplung der Speyerer Ausgabe Nr. 7a handelte, sondern eher um eine Variante von dieser (wobei sich die Abfolge der Ausgaben, nicht klären ließ). Schnell ließ sich jedoch mutmaßen, dass bei einer Verlagsübernahme (Verkauf) stets nur die Buchblöcke verkauft wurden, da an dem Einband und dem Anzeigenteil am Ende der Bücher zu aufwändige Änderungen vorzunehmen waren, um sie den Titeln eines Käufers anzupassen (siehe auch „Rohbogen“ hier).

Denkbar ist, dass das Material bei der Buchbindung ausging, dass aber neues nur unter Schwierigkeiten zu beschaffen war, man warten musste und die Gelegenheit ergriff, kleinere Mängel des Buchs, an denen man sich gleichwohl störte, im voraus zu beseitigen. – Auch ist nicht gesagt, welcher Druck dabei früher erschien, ob Nr. 7a oder Nr. 7b. Die Folge a und b in diesem Aufsatz ist davon abhängig, wovon ich zuerst wusste oder was ich zuerst fand, um es in diese Bibliografie einzubeziehen. Warum der Name des Verlags jedoch gleichblieb (im Unterschied zu Constantin Große), zumal in beiden Fällen „1855“ und „Dritte Auflage“ angezeigt wurden, vermag ich nicht sagen, und ein anderer Umstand müsste hinzugekommen sein.

Man beachte auch, dass C. Großes Angaben im Jahre 1900 veröffentlicht wurden, dass aber Erleckes Buch über die deutschen Verlagsveränderungen bereits im Jahre 1886 erschienen war. – Auch tritt der Verlegername „Fleischhauer & Spohn“ relativ häufig in Großes Buch auf, wobei heute zu beachten ist, dass „Fleischhauer“ bei einer elektronischen Suche, der alten Schrifttypen wegen, als „Fleifchhauer“ gelesen wird (man merkt dies sofort, wenn man „Fleischhauer“ oder „Spohn“ als Suchworte eingibt und zwei völlig verschiedene Ergebnisse erhält). – So heißt es beispielsweise auf S. 459 bei C. Große über ein Buch von J. A. Bengel: „3. Aufl. Reutlingen, Kurtz, jetzt Fleischhauer & Spohn, 1858 […].“ In diesem Fall verstärken sich die Hinweise, dass es bei Fricker eine einzige 3. Auflage gab, die nicht bei „Fleischhauer & Spohn“, sondern nur bei „Kurtz“ allein erschienen war. Somit ist der seltene Fall jedoch nicht auszuschließen, dass Constantin Große aus dem Gedächtnis zitierte und sich irrte, da sein Buch Die Alten Tröster. Ein Wegweiser in die Erbauungslitteratur [etc.] bisher das einzige ist, das die Angabe „Kurtz, jetzt Fleischhauer & Spohn“ in diesem Zusammenhang zeigt. Auch wenn dieses alles gewiss zu den Überlegungen gehörte, die anzustellen waren, ist natürlich zunächst von der Richtigkeit der bibliografischen Angaben auszugehen.

Die Hauptunterschiede der Ausgaben Nr. 7a und Nr. 7b, die ich bemerken konnte, sind damit:

1.)  Eine große Ähnlichkeit in Farbe und Dessin, aber nicht eine Identität in der Gestaltung des goldfarbenen Aufdruckes auf der Vorderseite des Einbands: ein verziertes Kreuz in der Mitte, das von zwei oder drei parallelen Rechtecken mehr am Rand und in den vier Ecken von vier nahezu symmetrischen floralen Mustern umrahmt wird.

2.)  Eine deutliche Abweichung in dem Muster und den Farben des Vorsatzpapiers.

3.)  Eine deutliche Abweichung in dem Frontispiz.

4.)  Ein Unterschied in den Seiten am Ende des Buchs: Zwei Anzeigenseiten hinter dem Inhaltsverzeichnis, die nur am Ende des Buchs aus Speyer (Nr. 7a) vorkamen, fehlten in dem Band aus Bietigheim-Bissingen (Nr. 7b). Zu prüfen wäre auch, ob in letzterem Exemplar Seiten von Anfang an nicht vorgesehen waren oder nachträglich und willentlich entfernt wurden.

Den inneren Hauptteil der Bücher konnte ich in beiden Fällen nicht überprüfen. Die Titelseiten beider Ausgaben waren identisch gesetzt, doch bedürfte eine Aussage über die Identität der Frickerschen Texte einer eigenen und näheren Untersuchung. Mir ging es jedoch in erster Linie um die Erforschung der Bücher, nicht der Texte, wenngleich die Schreibweise und Anordnung der Texte natürlich nicht unbeachtet bleiben können.

*

Vorstellbar sind und vielleicht eher zum Ziele führen die folgenden Überlegungen von der zweiten Dezemberhälfte 2015: Große meinte seinen Satzteil „jetzt Fleischhauer & Spohn“ möglicherweise nicht wörtlich oder im Sinne einer genauen Abschrift des Titelblattes, sondern vielleicht nur im Sinne eines allgemeineren Hinweises auf einen Verlagswechsel, der von der Information begleitet wurde, wo man Frickers Buch derzeit bestellen müsse. Dabei wusste Große jedoch nicht oder übersah, dass eine Zusammenlegung der Verlage „B. G. Kurtz“ mit „Fleischhauer & Spohn“ erst 1871 zustande kam (siehe Albert Erlecke). Gleichwohl setzte er auch bei Frickers „Dritter Auflage“ von 1855 diese Verlage in seinen Text ein, vielleicht da ein Zusatz schon mehrfach in seinem Buch vorkam und er ihn hier nur versehentlich übernahm. Ferner übersah er vielleicht, dass in den Jahren 1864 (Nr. 8) bis über die Jahrhundertwende hinaus (1909 „noch lieferbar“) die Frickersche Schrift durch das Buch von dem Pfarrer Karl Christian Eberhard Ehmann weiterhin auf dem Markt war (Nr. 8, Nr. 9 und Nr. 10) – wobei zwar das Buch unter einem neuen Titel Ehmanns erschien, inhaltlich jedoch zum Teil derselbe Text Frickers wiedergegeben wurde. Angesichts des wahrscheinlich kleinen Marktes für eine „Dritte Auflage“ in Reutlingen, konnte Große vielleicht auch nicht erkennen, dass das Buch bereits 1864 bei Osiander für weitere, doch nun nicht nur theologisch und religiös, sondern auch (kirchen-) geschichtlich interessierte Leser in Tübingen erschienen war, womit zugleich die bis heute noch umfassendste Ausgabe von Frickers Leben und Werken verlegt wurde (siehe hier).

Dies sind zwar alles nur Vermutungen, warum Constantin Große „Kurtz“ durch „jetzt Fleischhauer & Spohn“ in Frickers Buchs von 1855 ergänzte, doch fand ich, angesichts nur einer Variante des in Speyer vorhandenen Drucks (7a) im „Archiv-Tresor“ des Verlags „Fleischhauer & Spohn“ (7b), bisher keine andere Erklärung als diese. Ob sie richtig oder falsch ist, muss sich in der Zukunft erweisen, doch wäre ich für jeden Hinweis, der die Lage besser erklären kann, sehr dankbar, da sich gegenwärtig alle Schuld an den bibliografischen Komplikationen auf dem Haupte von Große zu sammeln scheint. Natürlich ist es geraten, die „Zweite Auflage“ von 1855, sobald sie sich auffinden lässt, in diese Untersuchung einzubeziehen.



Herrn Dieter Keilbach, Bietigheim-Bissingen, danke ich herzlich dafür, dass er mir mehrere Auskünfte gab und mir Scans aus dem Archiv-Tresor des einstigen Verlags „Fleischhauer & Spohn“ zugänglich machte. Frau Gabriele Beintner sei Dank ausgesprochen, dass sie meine Anfrage im Hause Umbreit an die zuständige Person weiterleitete.

 

 

 

Nr. 8  /  Tübingen 1864 (Ehmann)


 

Abb07_Titelblatt_1864

 

Titelblatt:  „Johann Ludwig Fricker, | ein Lebensbild | aus der Kirchengeschichte | des 18. Jahrhunderts, | herausgegeben | von | Karl Chrn. Ebrh. Ehmann, | Pfarrer in Unterjesingen. | Tübingen, | Verlag der Osiander’schen  Buchhandlung. | 1864.“

Verfasser bzw. Herausgeber: Karl Christian Eberhard Ehmann
Seitenumfang: (VIII) + gezählte 388 Seiten
Format: ca. 177
× 115 × 20 mm (Höhe × Breite × Dicke)
Einband: Pappe mit handschriftlichem Rückenschild
Inhalt:  Biographie, Briefe und Schriften. Der Band enthält:
I. Abtheilung: Biographie (S. 1–107);
II. Abtheilung: Briefe (S. 108–207),
III. Abtheilung: Frickers Schriften (S. 208–383) sowie
Anmerkungen (S. 383–388)
Datierung: Vermutlich im Januar 1864 erschienen; vgl. das Ende von Anm. [34b].
Bestand: Original und Fotokopie in Privatbesitz
Digital:
vollständig mit elektronischer Textsuche in den beiden Dateien unter
1.) Online-Ausgabe das Exemplar der Bayerischen Staatsbibliothek München;
Signatur: Biogr. 429g
2.) unter http://hdl.handle.net/2027/nnc1.cr59936150 das Exemplar der Columbia University New York (Burke Library, Location: Offsite (Non-Circ) H F897 E33)
Rezensionen: K. Sil. (August 1864) vgl. Anm. [34b]; Otto Zöckler (1867)
vgl. den dritten und letzten Absatz von Anm. [37].
Nachdruck: (bei „Averdo“/ Verlag Nabu Press): hier

 


Bemerkungen:

a)  S. VII: Unterzeichnung der Vorrede: „Unterjesingen d[en] 4. Nov[ember] 1863 | K. Ehmann“. Das Buch müsste daher im Januar 1864 erschienen sein: vgl. Anm. [34b] (zweite Hälfte).

b)  Ebenfalls auf S. VII befindet sich eine Danksagung Ehmanns an die „Laupp’sche“ Druckerei, wo der Druck hergestellt wurde. Vgl. auch die Druckerei der Ausgabe 1927 hier. Diese Druckerei wurde im Jahre 1848 in Tübingen von Heinrich Laupp (geb. 1824) gegründet und besteht noch heute, vgl. hier.

c)  Eine Voranzeige des Buchs erschien in: Evangelisches Kirchen- und Schulblatt für Württemberg, redigiert und hg. von Karl August Leibbrand, 24. Jg., Nr. 51, Stuttgart, den 20. Dezember 1863, Stuttgart: Druck und Verlag E. Greiner, S. 408, Sp. 1

d)  Mälzer (wie Anm. [28]), Nr. 834a, S. 105–106 mit Auflistung der Einzeltitel

 

 

 

Nr. 9  /  Heilbronn 1872 (Ehmann)


 

Abb08_Titelblatt_1872

 

Titelblatt: „Johann Ludwig Fricker, | ein Lebensbild | aus der Kirchengeschichte | des 18. Jahrhunderts, | herausgegeben | von | Karl Chr. Eberhard Ehmann, | Pfarrer zu Unterjesingen. | Heilbronn, 1872. | Albert Scheurlen’s Verlag.“

Bestand: UB Bonn; Fotokopie im Besitz des Verfassers


Bemerkungen:

a) Auf dem Einband dieser Ausgabe befindet sich im Unterschied zum hier abgebildeten Titelblatt der Hinweis „Neue wohlfeile Ausgabe“ sowie die Wendung „Pfarrer zu Unterjesingen“, die sich auch auf dem reproduzierten Titelblatt befindet; ansonsten handelt es sich wohl neben der Anpassung des Erscheinungsjahr um einen Nachdruck der Ausgabe Nr. 8; weitere Angaben siehe dort.

b) Die Ausgabe wurde von Karl Friedrich Zöllner zitiert auf S. 580 seiner Wissenschaftlichen Abhandlungen, Bd. III.

c) Vgl. Albert Erlecke (Bearb.), Die Besitz- und Firmenveränderungen im deutschen Verlags-, Buch-, Kunst-, Musikalien- und Landkartenhandel 1750–1885, Leipzig: Siegismund & Volkening, [Teil 1] 1886, S. 83, wo es heißt: „Osiandersche Buchh. in Tübingen. Der theologische Verlag kommt 1872 an Albert Scheurlens Verlag in Heilbronn […].“

 

 

 

Nr. 10  /  Stuttgart ca. 1879 oder 1897 (Ehmann)


 

Abb09_Titelblatt_ca1879

 

Titelblatt: „Johann Ludwig Fricker. | Ein Lebensbild | aus der | Kirchengeschichte des achtzehnten Jahrhunderts. | Herausgegeben | von | Karl Chr. Eberh. Ehmann, | † Pfarrer in Unterjesingen. | Stuttgart. | Verlag von J. F. Steinkopf. | (Früher bei A. Scheurlen in Heilbronn.)“

Dieses Buch ist der zweite Nachdruck der Ausgabe 1864 (Nr. 8). Es ist undatiert, muss aber zumindest später erschienen sein als die Ausgabe von 1872 (Nr. 9), denn letztere wird in der untersten Zeile auf dem Titelblatt als „Früher“ genannt. Ehmanns Berufsbezeichnung ist zudem mit einem Kreuz gekennzeichnet („† Pfarrer in Unterjesingen“), was bedeutet, dass Ehmann zum Zeitpunkt der Buchherstellung bereits verstorben war. Da dieser nun am 10. Februar 1879 verstarb, kann diese Ausgabe nicht vor diesem Datum entstanden sein und ist daher mit frühestens 1879 anzusetzen. [35]  Als Verlag ist gemeint Johann Friedrich Steinkopf in Stuttgart.

Einige Briefe aus den siebziger Jahren liegen mir noch heute vor, und sie geben zum Teil Auskunft über die Datierung des Nachdrucks. Von der „J. F. Steinkopf KG“, die ich in einem Brief vom 15. Mai 1975 nach dem Erscheinungsjahr der anstehenden Ausgabe gefragt hatte, erhielt ich am 22. Mai 1975 die briefliche Mitteilung, dass der Nachdruck „ca. 1879“ herausgekommen sei. Der von Edmé Klett unterschriebene Brief fährt fort: „Allerdings hat der Steinkopfverlag die Rohbogen von der 2. Auflage, Heilbronn, übernommen, und nur ein neues Titelblatt drucken lassen.“ Eine Anfrage, die ich nochmals am 31. Januar 1977 an den Verlag Steinkopf in Stuttgart gestellt hatte, erbrachte am 7. Februar 1977 die folgende zusätzliche Auskunft von Ulrich Weitbrecht: „Im Verlag Steinkopf sind glücklicherweise die alten ,Verlagsbücher‘ erhalten geblieben. Dort finde ich folgende Eintragung: | Ehmann, K. F. [sic]: Johann Ludwig Fricker, Lebensbild aus der Kirchengeschichte des 18. Jahrhunderts, 25 Bogen, 1863 [sic], Neuausgabe 1872 | Dieser Titel wurde mit anderen Titeln [vom Steinkopf-Verlag] übernommen. Als Bemerkung steht hier ,zusammen erkauft, zuerst Verlag von Osiander in Tübingen, danach von Buchhandlung Scheurlen in Heilbronn‘. Die gesamten Bemerkungen sind im Jahr 1897 [sic] notiert, laut Vertrag vom 12.10.1897, der mir allerdings heute nicht mehr vorliegt. Vom Verlag Steinkopf wurde dann dieses Werk weiterverkauft, allerdings läßt sich heute nicht mehr feststellen, wie lange der Verkauf gedauert hat. Im Jahre 1909 zumindest waren die Bände noch lieferbar.“

Diese zwei brieflichen Auskünfte widersprechen einander in gewisser Weise, denn als Datierungen des Nachdrucks sind sowohl „ca. 1879“ als auch ein Verlagsvertrag von 1897 angegeben. Da jedoch ein auf den Tag datierter Verlagsvertrag in dem zweiten Brief zitiert wird, könnte man annehmen, dass der Nachdruck wahrscheinlich erst nach Abschluss des Vertrages frühestens 1897 erfolgte. Der im folgenden Absatz genannte Besitzervermerk Hermann Cremers scheint zwar mit dieser Annahme gut vereinbar, doch könnte ein zufälliges Zusammentreffen vorliegen. Es muss daher einstweilen offenbleiben, ob der Nachdruck von 1879 oder 1897 stammt. Auch ein Irrtum (sogenannter Zahlendreher) ist bei diesen zwei Datierungen nicht ganz auszuschließen.

Ein Exemplar dieses zweiten Nachdrucks trägt den Stempel der folgenden Bibliothek: „Theologische Schule Bethel“ (Signatur Ie 544). [36]  Unter diesem Namen war die Schule 1905 von dem Pastor Friedrich von Bodelschwingh gegründet worden; heute heißt sie nach einer Zusammenlegung „Kirchliche Hochschule Wuppertal/Bethel – Hochschule für Kirche und Diakonie“. Dieses Betheler Exemplar des Buchs gehörte vormals dem Theologen Hermann Cremer (1834–1903), dessen handschriftlicher Besitzervermerk auf dem Vorsatzpapier des Buches eingetragen ist: „H[ermann] Cremer. | Stuttg[art] 10.4.[18]98.“ [37]  Gegenwärtig ist diese spezielle Ausgabe von Ehmanns Fricker-Buch die einzige, die dem Verfasser bekannt geworden ist.

 

 

 

Nr. 11  /  Tübingen 1927 (Herzog)


 

Abb10_Titelblatt_1927

 

Titelblatt: „Weisheit im Staube | Ein Lesebuch der Schwabenväter: | Bengel, Oetinger, Fricker, | Philipp Matth. Hahn, | Michael Hahn | Mit einer Einführung in ihre Gedankenwelt | von | Johannes Herzog | [Verlags-Signet:] RWV | 1927 | Rainer Wunderlich Verlag in Tübingen“

Vorwort (Herausgeber):  Johannes Herzog (1860–1943 oder 1944) [38]
Seitenumfang:  XVI + 166 gezählte Seiten
Format:  ca. 188
× 126 mm (Höhe × Breite)
Druck:  S. [VI] „Druck von H[einrich] Laupp j[unio]r in Tübingen“
Digital: vollständig unter http://www.archive.org/details/MN40224ucmf_3
Bestand: u. a. Fotokopie in Privatbesitz


Bemerkungen:

a) Enthält nicht nur Texte von Johann Ludwig Fricker, sondern auch von Friedrich Christoph Oetinger, Johann Albrecht Bengel, Philipp Matthäus Hahn und Johann Michael Hahn. Die Beiträge Frickers gehen aus dem Inhaltsverzeichnis des Buches (S. IX–XII) hervor, wobei die Texte jedoch neue Überschriften erhielten.

b) Die Auszüge aus Frickers Briefen und Schriften beruhen auf Ehmanns Lebensbild von 1864 (siehe hier); vgl. die Quellenangabe auf S. 155 sowie im Text die Seitenverweise. Die Ausgabe 1927 macht jedoch weder bei Ehmann vorhandene Absätze noch übersprungenen Text durch Auslassungszeichen sichtbar.

c) Die Deutsche Nationabibliothek verzeichnet: „[Ausg. 1926]“, was vermutlich auf das Vorwort zurückgeht (siehe die anschließende Bemerkung d)

d) Zur Titelgebung des Buchs schreibt Johannes Herzog (1860–1943 oder 1944) in seinem Vorwort (datiert auf S. XVI: „Eßlingen, im August 1926“): „Mit seinem Büchlein ,Weisheit im Staube‘, — einem Titel, der nun auch als Ueberschrift über diesem Buch figurieren soll, hat er [Fricker] einen kurzen Abriß einer christlichen Ethik geschrieben, der ebenso originell wie tief ist. Lauter ,angewandte Religion‘, Verschmelzung von Glauben und Leben. Das ist wirklich ,Weisheit im Staube‘.—“

e) Auf S. (III) steht nur der gedruckte Hinweis: „Der Evangelischen Gemeinde Eßlingen a. N. [am Neckar], | welcher der Herausgeber über 21 Jahre dienen durfte, | als Abschiedsgruß“

f) Mälzer (wie Anm. [28]), Nr. 840a, S. 107

g) Siehe auch zur Übernahme biografischer Daten von Ehmann Anm. [2].


Rezensionen:

1.) John E. Mc. Fayden, [unter der Überschrift] Recent Foreign Theology. German Theology, in: The Expository Times, ed. by A. W. Hastungs, Vol. 38, No. 6, Edinburgh, March 1927, S. 281

2.) O[tto] G[ründler], Buchbesprechungen. Billige Büchersammlungen und Volksausgaben, in: Zeitwende. Monatsschrift, hg. von Tim Klein (u. a.), 3. Jg., zweite Hälfte, Juli bis Dezember 1927, München: C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, 1927, S. 383, Sp. 1

 

 

 

Nr. 12  /  Bietigheim an der Enz 1933


 

Abb11_Titelblatt_1933

 

Titelblatt:  „Weisheit im Staube | das ist: | Anweisung, wie man in den aller= | geringsten und gemeinsten Umständen | auf die einfältiglich leitende Stimme | Gottes bei sich achten soll. | Als ein | Versuch einer evang. Moral von | lebenden Exempeln gesammelt und zu | bleibendem Eindruck ins Kurze gefaßt | von | Johann Ludwig Fricker | treuem Lehrer bei der Gemeine zu | Dettingen unter Urach. | Neueste Auflage. Herausgegeben von einigen wahrheits= | liebenden Freunden. Bietigheim a. E. [an der Enz], Mai 1933.“

Seitenumfang:  160 gezählte Seiten
Format:  ca. 134
× 102 mm (Höhe × Breite)
Einband:  schwarzer Einband ohne Bedruckung (siehe auch Anm. [40])
Druck:  S. (2), unten, der Vermerk:
„Druck von Wilhelm Mayer, Bietigheim (Württ.), Turmstraße 7.“
Bestand:  Original in Privatbesitz


Bemerkungen:

a) Ahnlich wie dieser Druck vom Mai 1933 und der folgende vom April 1934 erschienen in den 1930er Jahren mehrere Bändchen mit Nachdrucken von Schriften theologischen Inhalts, die, soweit ich dies beurteilen kann, sämtlich aus derselben Druckerei von Wilhelm Mayer [39] in Bietigheim stammen. Neben den beiden genannten Ausgaben von Frickers Weisheit im Staube (1933 und 1934) befinden sich zwei weitere Bändchen im Besitz des Verfassers, nämlich Friedrich Christoph Oetingers Etwas Ganzes vom Evangelium (nach der von Ehmann 1850 herausgegebenen Ausgabe), Teil 1: Bietigheim 1936, 140 Seiten; 2. und 3. Teil in 1 Band: Bietigheim 1938, 128 Seiten). [40]

b) Die Jahresangabe 1933 am Ende des Titelblatts wird infolge der kleinen Drucktypen manchmal irrtümlich als „1955“ gelesen.

c) Mälzer (wie Anm. [28]), Nr. 838, S. 107 mit Hinweis auf Kriegsverlust in der LB Stuttgart.

d) Provenienz: Vorbesitzerhinweis in dem privaten Exemplar (Stempelabdruck auf der Vorderseite des ersten fliegenden Blatts des vorderen Vorsatzpapiers):
„Otto Heilemann | Conditorei | Kirchheim-Teck.“

 

 

 

Nr. 13  /  Bietigheim an der Enz 1934


 

Abb12_Titelblatt_1934

 

Titelblatt:  „Weisheit im Staube | das ist: | Anweisung, wie man in den allergeringsten und | gemeinsten Umständen auf die einfältig leitende | Stimme Gottes bei sich achten soll. | Als ein | Versuch einer evangelischen Moral | von lebenden Beispielen gesammelt und | zu bleibenderem Eindruck kurz gefaßt | von | Johann Ludwig Fricker, | treuem Lehrer der Gemeinde | Dettingen unter Urach. | Herausgegeben von einigen wahrheitsliebenden  Freunden. | Bietigheim a. E. [an der Enz], April 1934.“

Seitenumfang:  156 gezählte Seiten
Format:  ca. 148
× 105 mm (Höhe × Breite); etwas größer als die vorangehende Ausgabe von 1933
Einband:  schwarzer Einband ohne Bedruckung (siehe auch Anm. [40]); mit zwei gelben Lesebändchen
Druck:  S. (2), unten, der Vermerk:
„Druck von Wilh. Mayer, Bietigheim (Württ.), Turmstr. 7“
Bestand:  Original in Privatbesitz


Bemerkungen:

a) Vgl. zu den beiden Ausgaben von 1933 und 1934 die Anm. [39] und [40]

b) Der Seitenumfang ist gegenüber der Ausgabe Bietigheim Mai 1933 (Nr. 12) leicht verringert, während die Textmenge dieselbe geblieben ist. Die auf der letzten Seite (S. 160) der früheren Ausgabe angezeigten Druckfehler sind berichtigt, doch sind andere kleine Abweichungen feststellbar.

c) Die Jahresangabe 1934 am Ende des Titelblatts wird infolge der kleinen Drucktypen manchmal irrtümlich als „1954“ gelesen.

d) Mälzer (wie Anm. [28]), Nr. 839, S. 107 mit Hinweis auf Kriegsverlust in der LB Stuttgart.

 

 

 

Nr. 14  /  Metzingen 1963 (Roessle)


 

Abb13_Titelblatt_1963

 

Titelblatt:  „JOHANN LUDWIG FRICKER | Weisheit im Staube | Das ist eine Anweisung, wie man in den | allergeringsten und einfachsten Umständen | auf die einfältig leitende Stimme Gottes in | sich achten soll, als Versuch einer evangeli- | schen Sittenlehre von lebenden Vorbildern | gesammelt und zum bleibenden Eindruck | kurz zusammengefaßt | [Verlags-Signet:] f | VERLAG ERNST FRANZ METZINGEN / WÜRTT.“

Herausgeber (sowie Einführung u. Anm.): Dr. theol. J[ulius] Roessle [1901–1975]
Seitenumfang: 162 gezählte + 2 ungezählte Seiten
Reihe: „Zeugnisse der Schwabenväter“, hg. von Julius Roessle (siehe oben), Band V
Impressum:  auf S. (4) „Copyright 1963 Franz-Verlag“
Format:  ca. 195
× 130 mm (Höhe × Breite)
Druck: Buchdruckerei Ernst Franz, Metzingen
Einband: Ganzleinen mit zweifarbigem Schutzumschlag
Bestand:  Mälzer (wie Anm. [28]), Nr. 840, S. 107; Original in Privatbesitz

 

 

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Anmerkungen zu Teil 2

[27] Ludwig Christoph Huzelin, geb. am 15. November 1725 in Besigheim [nicht Benigheim]; mag[istrierte] am 27. Oktober 1745. Pf[arrer] in Erkenbrechtsweiler seit 1755; in Steinenbronn seit 1760; in Schnaitheim seit 1769; gest. in Schnaitheim am 15. Nov. 1783, zugleich sein 58. Geburtstag. (Quelle: Generalmagisterbuch 278b, 4 im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart.) – Huzelin verfasste eine Reihe von Briefen in der sogenannten Zirkular-Korrespondenz evangelischer Geistlicher (Rundbriefe; Württembergische Landesbibliothek Stuttgart), woran auch Fricker von 1763 bis zu seinem 1766 erfolgten Tode teilnahm; vgl. in dem Zitat aus Ehmann den Ausdruck „Roos’sche Correspondenten“, unter die Fricker nach dem Tod des Stuttgarter Waisenhauspfarrers Georg Leonhardt Seitz [Seiz] (gestorben am 12. Dezember 1762 in Stuttgart) aufgenommen worden war. Den Vorschlag zu dieser Aufnahme machte Huzelin im Postscriptum eines Zirkular-Briefes, den er am 1. Februar 1763 abschickte: „Sollten [möglicherweise auch „Wollten“] wir nicht statt des seel[igen] Seizen den l[ieben] Fricker in Dettingen in uns[ere] Corresp[ondenz] herein nehmen?“ (S. 768; ganzer Brief 767–768). – Da dieser Vorschlag Zustimmung fand, erhielt Fricker die Korrespondenz am 23. April 1763 und sandte sie am 25. April 1763 zusammen mit seinem ersten Brief (S. 780–782) weiter. Frickers achter und letzter Brief (undatiert) in dieser Korrespondenz (S. 938–939), der auch mehrere Bemerkungen über seine Krankheit enthält, muss zwischen dem 21. Juli und 10. August 1766 geschrieben sein, da sich diese zwei Daten aus dem vorangehenden Brief von Carl Heinrich Rieger aus Stuttgart (S. 935–937) wie dem auf Frickers Beitrag folgenden Brief von Johann Zacharias Stänglin aus Beuren (Seite 940) erschließen lassen. Ehmanns Datierung von Frickers letztem Brief in der Zirkular-Korrespondenz (Ehmann, Johann Ludwig Fricker, Tübingen 1864, S. 204–206; hier 42. Brief, S. 204: „zw[ischen] Mai und Aug. 1766“) lässt sich daher zeitlich noch etwas einengen. – Vgl. zu Huzelin auch Anm. [3] (am Ende dieser Anm. mehrere Verweise auf Huzelin) und [4].

[28] Gottfried Mälzer (Verfasser u. Bearbeiter), Die Werke der württembergischen Pietisten des 17. und 18. Jahrhunderts. Verzeichnis der bis 1968 erschienenen Literatur, Berlin u. New York: de Gruyter, 1972, Reihe: Bibliographie zur Geschichte des Pietismus, Bd. 1 (Online-Teilausgabe).

Dass die bei Mälzer verzeichneten Werke einstweilen unvollständig sind, scheint mir fast unvermeidlich zu sein. Trotzdem sollte man dieses aufs Ganze gesehen doch großartige Werk nicht nur daran messen, dass etwas unvollständig ist, sondern daran, was überhaupt darin verzeichnet ist. Es kann nicht mehr sein als eine erste Übersicht, nicht etwas auf Vollständigkeit Bedachtes, das lückenlos die Werke der Pietisten Württembergs versammelt. In dieser Hinsicht ist es jedoch schon eine herausragende Leistung, die ihresgleichen sucht und deren Qualitäten auffallen, sobald man das Buch mit anderen Versuchen in dieser Richtung vergleicht.

[29] Auf der Vorderseite des Vorsatzpapiers dieses Exemplars von 1775 ist in kleiner alter Handschrift als Besitzer eingetragen „Pf. Liesching“, was als „Pfarrer Liesching“ aufzulösen sein dürfte.

[30] Heiner Keller, Nächste Ausstellung schon gesichert, in: Reutlinger General- Anzeiger vom 7. August 2008 (Webseite). Hier heißt es: „Bis es soweit ist, muss Karl Ebinger den Ausstellungsmacherinnen allerdings noch vieles erzählen. Der 68-Jährige war von 1963 bis 1970 Lehrer an der Grundschule Gniebel-Dörnach und dann bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2004 Grundschullehrer in Altenriet.“ – Altenriet liegt etwa zwischen Reutlingen im Süden und Stuttgart im Norden.

[30a] Zur Provenienz des Züricher Exemplars schreibt die Zentralbibliothek Zürich auf einer Webseite ihres Recherche-Portals: „Aus dem Besitz von Walter R. Corti“ sowie „Vorbesitzer: Walter Robert Corti 1910–1990“. Hier ist die Rede von dem Schweizer Philosophen und Publizisten Walter Robert Corti, geb. am 11. September 1910, gest. am 12. Januar 1990). Vgl. hier sowie hier; über den Geburtsort Cortis steht in erster Quelle „Zürich“, in der zweiten „Winterthur“; einheitlich wird jedoch mitgeteilt, dass er in Winterthur starb.

[31] „Michelianer“, auch „Hahn’sche Gemeinschaft“ genannt, sind die Anhänger des württembergischen Pietisten Johann Michael Hahn (1758–1819). Zu Immanuel Gottlieb Kolb (1784–1859), vgl. den Aufsatz Immanuel Gottlieb Kolb und der Dagersheimer Pietismus von Günter Scholz (Webseite): Beim Einzug in den Heimat- und Wirkungsort seiner Vorfahren gingen ihm [Kolb] die Dagersheimer entgegen, und die Schuljugend übergab ihm ein bekränztes Schaf. Fortan stellte sich Kolb unermüdlich in den Dienst der Gemeinde Dagersheim.“Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass W[ilhelm] F[riedrich] Stroh, der das Werk Die Lehre des württembergischen Theosophen Johann Michael Hahn (Stuttgart: J. F. Steinkopf, 1859, 598 S.) verfasste, bereits im ersten Satz der Vorrede auf S. (7) nicht nur I. G. Kolb, sondern auch K. Chr. E. Ehmann als Anreger seines Buchs hervorhebt. 1965 erschien der Titel im selben Verlag in 4. Auflage (Nachdruck der Ausgabe von 1859). – Dagersheim, wo Kolb wirkte, wurde 1971 zu Böblingen eingemeindet.

[32] Vgl. Heinz Dietrich Metzger, Gesangbücher in Württemberg. Drucker und Verleger, auf der Webseite http://www.wlb-stuttgart.de/referate/musik/gb/db.html, © 2005 Württembergische Landesbibliothek Stuttgart; hier „Landbeck“ unter „Böblingen“.

[32a] Im Juni 2011 konnte ich ein Exemplar dieses Frickerschen Buches von 1830 über „Booklooker“ antiquarisch erwerben, welches dem vorstehend beschriebenen Buch insgesamt gleicht. Da die Vorbesitzer-Vermerke des gekauften Exemplars ein Hinweis auf die Kirchengeschichte Württembergs sind, seien sie im Folgenden zitiert. Es handelt sich dabei um einen handschriftlichen, wohl mit Tinte von nur 1 Person geschriebenen Eintrag, welcher auf der Innenseite des vorderen, mit hellblauem Papier beklebten Einbanddeckels des Pappbandes steht: „Gehörig Friedrich | Daubenschmid | und | Rebecka Zupin, | Fellbach 1847.“ (Weitere und zum Teil schwer leserliche Einträge, welche Inhaltliches betreffen, zeigt die mit Bleistift beschriftete Innenseite des hinteren Einbanddeckels.) Bei dem Erstgenannten (auch der Schreibweise „Daubenschmied“ begegnet man anderen Orts) handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um den Vorsteher der noch heute in Stuttgart-Fellbach ansässigen „Hahn’schen Gemeinschaft“, der am 8. April 1811 in Fellbach geboren wurde und am 7. Juli 1887 verstarb. Vgl. Die Hahn’sche Gemeinschaft. Ihre Entstehung und seitherige Entwicklung. Mit einer Reihe von Lebensbildern, I. u. II. Band; Zweite erweiterte Auflage, Stuttgart-S[üd], Paulinenstraße 21: M[ichael] Hahn´sche Gemeinschaft, 1949 und 1951; hier in Bd. 2 (1951) das Lebensbild Friedrich Daubenschmid (S. 142–152). (Ein Scan dieses Aufsatzes wurde mir dankenswerterweise von Herrn Dipl.-Ing. Hermann Kuder in Reutlingen überlassen; Herrn Reinhard Breymayer, Ofterdingen, bin ich für verschiedene Literaturquellen zu Fellbach und der „Hahn’schen Gemeinschaft“ sowie für persönliche Verbindungen verpflichtet.) – Vgl. im selben Werk (Bd. 1, 1949, S. 277–282) den Abschnitt Elisabeth Margarete Daubenschmid mit einer Biografie der Mutter, aus welcher unter anderem hervorgeht, dass ihr Sohn Friedrich Daubenschmid unverheiratet blieb (S. 281). – Wer Rebecka Zupin war, entzieht sich vorerst meiner Kenntnis, doch bildet das Jahr 1847, seit dem Daubenschmid „auf den Rat der Brüder mit zwei Gemeindeschwestern“ einen Haushalt führte, möglicherweise einen Zusammenhang (siehe Bd. 2, 1951, S.146).

Aus dem Landeskirchlichen Archiv Stuttgart erhielt ich im August 2011 neben einer brieflichen Mitteilung drei Readerprint-Kopien, die weitere Erkenntnisse erbrachten, darunter die Vervollständigung von Daubenschmids Vornamen. Diese Dokumente bezogen sich zum einen auf die Eltern (Bd. I, S. 298, Signatur: KB 374, Bd. 22), zum andern besonders auf Daubenschmids Geschwister (1811, Signatur: KB 370, Bd. 5, eingestempelt jeweils „Fellbach“), wobei unter anderem die Verehelichungen der namentlich Genannten angezeigt wurden. In letzterer Quelle wurden auch Friedrich Daubenschmids vier Geschwister aufgeführt: Drei Schwestern gingen ihm voraus (geb. 1801, 1804 und 1807), ein Bruder wurde nach ihm geboren (1816). Derselben Quelle zufolge war Friedrich Daubenschmid nicht verheiratet gewesen. Anhand beider Dokumente ließen sich die aus der Literatur bekannten Geburts- und Sterbedaten Friedrich Daubenschmids bestätigen oder erweitern; dasselbe gilt auch für seine Eltern. Ein Familienregistereintrag zu Christian Friedrich Daubenschmid fand sich indes nicht. (Herrn Tobias Tiesler sei gedankt für seine Recherchen und freundlichen Auskünfte.)

Durch die Mitgliederliste der frühen Pietisten-Gemeinschaft in Fellbach (Seite [1] bis [14], Nr. 1–168) im Anhang einer Dissertation ließen sich die Lebensdaten von Friedrich Daubenschmids Eltern zusätzlich belegen (S. [4], Nr. 24 und 25); Mutter: Daubenschmid, Elisabetha Margaretha, geborene Schmid (* 2. Juni 1776, † 6. Januar 1858), Vater: Simon Daubenschmid [von Beruf Weingärtner] (* 4. März 1776, † 30. März 1825), Eheschließung: 1. Mai 1800. Vgl. dazu von Hans-Volkmar Findeisen, Pietismus in Fellbach 1750–1820 zwischen sozialem Protest und bürgerlicher Anpassung. Zur historisch-sozialen Entwicklungsdynamik eines millenaristischen Krisenkults, Dissertation, Fakultät für Kulturwissenschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Tübingen 1985; zu Friedrich Daubenschmid siehe hier auch S. 256. (Hinweis: Reinhard Breymayer, Ofterdingen.)

Daubenschmid stand unter anderem mit Christian Friedrich Spittler (1782–1867), dem in Württemberg und etwa 45 km westlich von Fellbach geborenen Sekretär der Basler Christentumsgesellschaft, in brieflicher Verbindung, wie folgendem Buch zu entnehmen ist: Johannes  Kober,  Christian  Friedrich  Spittler’s  Leben,  Basel: Pilgermissions-Buchdruckerei auf St. Chrischona bei Basel, X. 1886 (veröffentlicht offenbar 1887); hier S. 319 über „Bruder F[riedrich] Daubenschmid in Fellbach“: zur Überprüfung eines nach einem Brand wiedererrichteten Gutshofes auf der Pfingstweide (Online-Ausgabe). – Archivalien über Spittler / Daubenschmid sind im Staatsarchiv Basel-Stadt. Vgl. auch Reinhard Breymayer, Hölderlin - Majer - Spittler - Bahnmaier. Ein „gehorsamer Sohn“, [Friedrich] Hölderlins und J[onathan] F[riedrich] Bahnmaiers Stiftsgenosse Fritz Spittler, und ein „verlorener Sohn“, Hölderlins und C[hristian] F[riedrich] Spittlers gemeinsamer Vetter Louis Majer. Mit einem unbekannten Gedicht (Hölderlins?) und neuen Dokumenten zum Enfant terrible einer württembergischen Pfarrfamilie [d. i. Louis Majer], in: Blätter für württembergische Kirchengeschichte, Bd. 82 (1982) [1983], S. 254–328 (mit umfangreichen genealogischen Nachweisen und Literatur zu Christian Friedrich Spittler, seinem Bruder Fritz und seinem Schwager J. F. Bahnmaier).

[33] Ein Punkt wurde am Ende der Zeile in Analogie zur Ausgabe 1820 gesetzt, da ein solcher möglicherweise vorhanden ist, aber durch einen Stempelabdruck der Bibliothek unsichtbar wurde.

[33a] Das wie ein Komma aussehende Satzzeichen nach „von“ muss ein Fehler im Papier sein, da dieses „Satzzeichen“ nicht in dem zweiten Exemplar derselben Auflage Nr. 7b (Bietigheim-Bissingen) vorhanden ist.

[34] Eine Anfrage bei dem bis im Juni diesen Jahres noch in Reutlingen bestehenden Verlag „Fleischhauer & Spohn“ verlief ohne Ergebnis. Zwar war der Titel in den Archivlisten noch zu finden, doch ein Exemplar des Büchleins liegt auch beim einstigen Verlag heute nicht mehr vor. – Für freundliche Auskünfte ist Frau Gabriele Beintner sowie dem Verlagsleiter, Herrn Thomas Bez, zu danken (E-Mails am 26. Mai und 8. Juni 2009).

[34a] Die Archivliste geht nicht über die Angaben der in diesem Aufsatz als Nr. 7a reproduzierten Titelseite hinaus. E-Mail von Herrn Dieter Keilbach am 18. November 2015.

[34b] K. Sil. [Rezensent], in: Theologisches Literaturblatt, begründet von Dr. Ernst Zimmermann, fortgesetzt von seinem Bruder Dr. Karl Zimmermann, 41. Jg., Nr. 67 [S. 397–404], Darmstadt: Verlag Eduard Zernin (Druck: Chr. Fr. Will), Darmstadt, 22. August 1864, S. 400–402 (die Verfasserschaft ist im unpaginierten Register am Ende des Bandes nicht aufgelöst, wenngleich in dem Jahrgang 1864 die Kürzel „K. Sil.“ noch verschiedentlich in Erscheinung tritt). Der gesamte Band ist online einsehbar hier. Eine Anzeige des Fricker-Buchs von Ehmann geht im selben Jahrgang der Zeitschrift in der Theologischen Bibliographie voraus, die sich in Nr. 7 [S. 37–44] (Darmstadt, 26. Januar 1864, S. 44) befindet. Man darf daher davon ausgehen, dass das genannte Buch über Fricker im Januar 1864 erschien, denn die Vorrede wurde von Ehmann auch mit dem 4. November 1863 datiert, und eine Voranzeige erschien am 20. Dezember 1863: vgl. „Bemerkungen“ a) und c) zu der Ausgabe Tübingen 1864.

[35] Vgl. auch die Angaben zu Ehmann in Anm. [1]; demnach war Ehmann seit 1875 Pfarrer in Kirchentellinsfurt. Die Zeile der Titelseite dieser Ausgabe mit dem Zusatz „Pfarrer in Unterjesingen“ wurde vielleicht nur irrtümlich von der Erstausgabe 1864 oder dem ersten Nachdruck 1872 übernommenm während Ehmann zuletzt Pfarrer in Kirchentellinsfurt war. Zur Anfrage in Kirchentellinsfurt am 9.6.2009 vgl. Anm. [1].

[36] Für verschiedene Nachforschungen im März und April 2011, welche die in Bethel vorhandene Ausgabe des Druckes von Ehmanns Buch betreffen, ist Andreas Nicke, Bibliothek der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel, vielmals zu danken.

[37] Ein Vergleich der Handschrift des Besitzervermerks in Ehmanns Buch mit einem bereits identifizierten Brief Hermann Cremers (Scan), der nur einen Monat früher geschrieben war, wurde Anfang April 2011 vorgenommen. Zum Vergleich diente ein Brief Hermann Cremers aus der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin, die mehrere Briefe Cremers besitzt (vgl. den Kalliope-Katalog). Gerichtet war dieser mit „Greifswald, 9. März 1898“ datierte Brief Cremers an den württembergischen Theologen und Philologen Richard Weitbrecht (1851–1911). In beiden Schriftstücken, die somit auf den 9.3.1898 bzw. 10.4.1898 datiert sind, wiederholten sich die Eigenheiten der Handschrift in so auffälliger Weise, dass man von ein und demselben Schreiber ausgehen darf. (Für ihre Unterstützung ist Gabriele Stefanski, Berlin, Kalliope Verbundkatalog für Nachlässe und Autographen an der Staatsbibliothek Berlin, zu danken.) – Von Hermann Cremer stammt jedenfalls auch der Artikel Collenbusch, Dr. Samuel, in: Realencyclopaedie für protestantische Theologie und Kirche, hg. von Albert Hauck, 3. verbesserte und vermehrte Auflage, Bd. 4, Leipzig: J. C.  Hinrichs’sche Buchhandlung, 1898, S. 233–241, wobei er jedoch unter anderem als Quelle auf S. 236, Zeile 29–30 die Erstausgabe (1864) von Ehmanns Fricker-Buch nennt. Vgl. ebenso Hermann Cremer (Hg.), Aus dem Nachlaß eines Gottesgelehrten. Aufsätze, Briefe und Tagebuchblätter von Samuel Collenbusch, Stuttgart: Steinkopf, 1902, 340 S.

Weitbrecht, der einer so verzweigten wie kulturell bedeutenden württembergischen Familie angehörte (vgl. den gleichnamigen Wikipedia-Artikel), hatte in Tübingen unter anderem Theologie studiert und wirkte zunächst in Mähringen bei Ulm, seit 1893 als Pfarrer in Bad Wimpfen. Er verfasste zahlreiche Bücher, in denen er sich besonders mit der schwäbischen Sprache auseinandersetzte und Nachdichtungen der mundartlichen Literatur schuf.

Hermann Cremer wurde 1883 Rektor der Greifswalder Universität, nachdem er unter anderem in Tübingen bei dem Württemberger Johann Tobias Beck (1804–1878) Theologie studiert hatte und sich vom Pietisten zum Biblizisten gewandelt hatte (Biblisch-theologisches Wörterbuch, zuerst 1867). Im Rahmen seines Studiums könnte er daher sehr wohl von dem württembergischen Pietismus des 18. Jahrhunderts gehört haben und beeinflusst worden sein, so wie sein Lehrer Beck sich auch mehrfach auf Oetinger bezog. Cremer wurde der Kopf der sogenannten „Greifswalder Schule“, zu der neben anderen Otto Zöckler (1833–1906) gehörte. Zöckler ging mehrfach in seinen Schriften auf Oetinger ein, wobei er auch Fricker streifte. Ausführlicher schrieb Zöckler jedoch über Fricker in seiner Besprechung des 1864 erschienenen Lebensbildes Frickers von Ehmann: Vgl. [Otto] Zöckler (Gießen), [Rezension in der Rubrik] Anzeige neuer Schriften, in: Jahrbücher für Deutsche Theologie, hg. von [Karl Theodor Albert] Liebner u. a. (Dresden), Bd. 12, Gotha: Verlag von Rud. Besser, 1867, S. 373–375 (Online-Ausgabe). Zöckler verweist hier gleich zu Beginn auf den großen Aufsatz Die theologische Bedeutung J. A. Bengel’s und seiner Schule von Hermann Freiherr von der Goltz [1835 bis 1906] (in: Jahrbücher für Deutsche Theologie [etc.], Bd. 6, 1861, S. 460–506; hier S. 502 zur Rolle Frickers). Ebenso benannte Karl Friedrich Zöllner (1834–1882), der auch mit August Krohn in Halle an der Saale sowie mit Zöckler korrespondierte und diese zitierte, Johann Ludwig Fricker bei seiner Behandlung der Theorien über die vierte Dimension (vgl. hier; S. 598 ff. zu O. Zöckler; zu Oetinger und Fricker passim).

[38] Auf Anfrage teilte mir Dr. Joachim Halbekann im April 2011 aus dem Stadtarchiv in Esslingen freundlicherweise mit, dass Herzog zunächst Pfarrer in Gerlingen war, dann 1909–1921 3. Stadtpfarrer und 1921–1926 2. Stadtpfarrer in Esslingen (hierarchisch über ihm stand noch der Dekan). Herzog trat 1926 zurück und verstarb 1944. Als Quelle für diese Informationen diente Otto Schuster, Kirchengeschichte von Stadt und Bezirk Esslingen, Stuttgart 1946, S. 321 f.

Aus dem Generalmagisterbuch im Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche in Stuttgart machte mir Andreas Butz, M. A. im April 2011 einen Scan zugänglich, der besagt, dass Johannes Herzog am 11. Juli 1860 in Stuttgart geboren wurde und am 10. Oktober 1943 in Eßlingen verstarb (der Todeszeitpunkt wurde handschriftlich nachgetragen in dem grundsätzlich maschinenschriftlichen Buch). Herzog wurde von 1904 an 4., dann 3. und schließlich 2. Stadtpfarrer in Eßlingen, wo Herzog auch wohnte und 1926 pensioniert wurde. – Freundliche Auskünfte von Andreas Butz, M. A., Stuttgart. Eine Personalakte über Herzog wird in dem genannten Stuttgarter Archiv unter der Signatur 1053 in Bestand A 127 verwahrt.

[39] Über die Person von Wilhelm Mayer erhielt ich Auskünfte sowohl aus dem Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen wie dem Stadtarchiv von Marbach am Neckar, die im Folgenden wiedergegeben seien:

Eine Anfrage im Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen erbrachte am 2. Juli 2009 (E-Mail) von Sonja Eisele die folgende Antwort: „[…] leider konnte ich trotz intensiver Recherche in unseren Beständen und Nachfrage bei verschiedenen ,Altbietigheimern‘ nicht sehr viel ermitteln. Hier die wenigen Informationen: [Absatz] Wilhelm Mayer, geboren 21.8.1904, wohnte, wie sein gleichnamiger Vater (der Vater war aber Holzbildhauer), in der Turmstraße 7. Im Adressbuch 1927 und 1935 wird er als ,Buchdrucker‘, Turmstraße 7 geführt. 1938 heiratete er eine Frau aus Marbach und zog vermutlich nach Marbach. Über sein weiteres Leben ist uns nichts bekannt. Laut mündlicher Überlieferung hatte er eine Handdruckmaschine. Eine ,richtige‘ Druckerei Wilhelm Mayer gab es nie. Möglicherweise hat er mit seiner Handdruckerei kleinere Auflagen gedruckt. Es ist aber nichts darüber bekannt, was er gedruckt hat. Es ist auch nicht bekannt, daß er evtl. in einer hiesigen Druckerei (davon gab es nur 3 oder 4) gearbeitet hat. Ich habe auch beim ,Jakob-Lorber-Verlag‘ in Bietigheim (der theosophische Werke - u. a. Swedenborg, Jakob Lorber, Mayerhofer verlegt), nachgefragt: auch dort war nichts über Wilhelm Mayer bekannt bzw. er hat dort nicht als Drucker gearbeitet. [Absatz] Von den Befragten wusste auch keiner etwas über evtl. Beziehungen von Wilhelm Mayer zu pietistischen Kreisen.“ (Freundliche Auskünfte von Frau Sonja Eisele, Stadtarchiv Bietigheim-Bissingen, E-Mail am 2. Juli 2009.)

Nach Auskunft des Stadtarchivs von Marbach am Neckar wurde der Schriftsetzer Wilhelm Mayer am 21. August 1904 in Steinheim an der Murr [etwa 6 km nordöstlich von Marbach] geboren und starb am 4. Februar 1977 in Ludwigsburg. Mayer heiratete am 23. Juni 1938 in Marbach am Neckar Elise Bertha, geborene Valet (geboren am 7. März 1894). Im Jahr der Eheschließung zogen Wilhelm Mayer und die Marbacherin Elise Bertha nach Marbach in die Haffnerstraße 26. Zuvor war Mayer in Bietigheim an der Enz wohnhaft. Ab 1950 zogen er und seine Frau zusammen in die Fischerstraße 5 in Marbach; Elise Bertha übersiedelte nach dem Tode ihres Ehemanns nach Oberstenfeld [ca. 8 km nördlich von Steinheim]. (Aufgrund freundlicher Auskünfte von Frau Laura Kienle, Stadtverwaltung Marbach am Neckar, Stadtarchiv, E-Mail am 15. April 2011.)

In Oetingers Etwas Ganzes vom Evangelium (2. und 3. Teil, Bietigheim 1938), das sich im Besitz des Verfassers befindet, sind auf dem Vorsatzblatt folgende handschriftliche Zeilen zu lesen: „Widmung | an | Herrn Dekan Gruber | Karfreitag 1948, 26.3.48 | [Querstrich] | W. Mayer, Marbach, Fischerstr. 5“ Da Wilhelm Mayer ab 1950 unter dieser Marbacher Adresse gemeldet war (siehe den letzten Absatz von Anm. [39]), stammte das Buchgeschenk im Jahre 1948 vermutlich von ihm. Empfänger des Geschenks war der in Marbach ansässige Dekan Otto Gruber (1896 bis 1970), der im Nationalsozialismus ein Vertreter der „Bekennenden Kirche“ war und dessen Nachlass im Landeskirchlichen Archiv in Stuttgart verwahrt wird. Zu Gruber vgl. Hermann Schick, Dekan Gruber: Abriss seines Lebens und seiner Tätigkeit in Marbach 1936–1960. Kirchengeschichte einer württembergischen Kleinstadt im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit, in: Blätter für württembergische Kirchengeschichte 106 (2006), S. 339–349.


Nachträge zu Wilhelm Mayer (Dezember 2012 / Januar 2013)

Weitere Auskünfte erhielt ich aus dem Stadtarchiv Ludwigsburg, durch eine zweite Anfrage beim Stadtarchiv Marbach sowie durch Herrn Kai Keller, den Geschäftsführer der heute noch bestehenden Marbacher Zeitung. Ihnen allen sei gedankt für ihre freundliche Unterstützung.

Wilhelm Mayer starb zwar in Ludwigsburg, doch lebte er damals in Marbach am Neckar in der Fischerstr. 8 (Stadtarchiv in Ludwigsburg, Frau Regina Witzmann). Daher ist zu vermuten, dass er auf ärztlichen Rat hin ein Krankenhaus in Ludwigsburg aufsuchte. Zwei Todesanzeigen erschienen somit in Marbach in der Marbacher Zeitung vom 7. Februar 1977 (Stadtarchiv Marbach, Herr Albrecht Gühring). Eine davon war die Anzeige, die Mayers Frau Elise Mayer, geb. Valet unterzeichnet hatte; die andere stammte von der Druckerei und dem Verlag „Adolf Remppis + Co.“, welche die Marbacher Zeitung herstellten. In letzterer Anzeige wurde dem im Ruhestand lebenden Wilhelm Mayer, der 72jährig verstarb, auch Dank ausgesprochen für seine „über 25jährige Betriebszugehörigkeit“ als Schriftsetzer und Metteur. Da ich mich nun an die Leitung der Zeitung selbst wandte, erfuhr ich von dem Geschäftsführer Herrn Kai Keller in einer E-Mail am 12. November 2012: „[M]eine Mutter erinnert sich noch an Herrn Mayer mit folgenden Worten: Der Wilhelm Mayer war der ,fromme Mayer‘ […]. Er war sehr ehrlich, wurde aber viel gehänselt. Immer gab er biblische Kommentare von sich – ,Gelobt sei Jesus Christus‘. Er und seine ,Hulda‘ waren wahre Pietisten. Sie gingen sonntags in die ,Stunde‘.“ (Mit ,Hulda‘ ist hier wohl die Ehefrau von Wilhelm Mayer gemeint, nicht ihr tatsächlicher Vorname, vgl. Hulda.)

Weiterhin teilte mir Herr Keller (Marbacher Zeitung) am 30. Januar 2013 über den Buchdrucker Wilhelm Mayer noch Folgendes mit:

„Kinder gab es in der Familie Mayer keine, die Schwester von Frau Elise Mayer war die Frau des Möbelfabrikanten Gottl. Hoffmann. Ein Sohn dieser Familie war Jahrgang 1933 (Fritz Hoffmann), dann gab es noch eine Tochter, ob da noch jemand lebt und wo, ist nicht bekannt.“

*

Im Jahre 1934, in welchem Mayers zweite Auflage von Frickers Weisheit im Staube erschien (siehe Nr. 13), stellte er auch folgendes 56 Seiten umfassendes Büchlein her: Auszug von der Sammlung geistlicher Lieder zum gemeinschaftlichen Gesang und eigenen Gebrauch in christlichen Familien (Bietigheim a. E. / 1934 herausgegeben von einigen Freunden). Ob Mayer in diesen Band auch Lieder Frickers einbezog, vermag ich nicht zu sagen, da ich das Buch bisher nicht einsehen konnte.

Zur „Fischerstraße“, in der Mayer in Marbach wohnte, ist anzumerken, dass hier der Dichter Johann Georg Fischer (1816–1897) gemeint ist, der aufgrund seiner Verdienste um Friedrich Schiller und das Nationalmuseum 1876 zum Ehrenbürger der Stadt Marbach ernannt wurde.

[40] Alle diese kleinformatigen Bücher sind in eine Art schwarz lackiertes Ganz- oder Halbleinen mit Fadenbindung eingebunden und tragen keinerlei Beschriftung auf ihrem Einband. Auch ist auf jedes Inserieren anderer Titel verzichtet.

 

 

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